bloxwerk.de hat sich mit Sepp Blößl getroffen, einem Vollblut-Sportler, der sowohl beim Skifahren, Ski-Tourengehen, Berggehen und Squashen mit Leib und Seele dabei ist. Seine große Leidenschaft ist aber vor allem das Mountainbiken, wobei er nicht nur auf jahrelange Erfahrungen bei etlichen Alpenüberquerungen zurückblicken kann, sondern auch als Tourguide die meisten Berge, Pässe, Pfade, Steige, und Wege über alle möglichen Gebirgsketten in den Alpen erkundet hat, und auch gefahren ist.Bloxwerk.de: Servus Sepp, schön dass wir uns mal getroffen haben, und dieses Gespräch führen können. Du bist ja nicht nur beruflich in leitender Funktion tätig, sondern du hast auch schon etlichen radsportbegeisterten Mountainbikern als Tourguide gezeigt, wo´s lang geht. Wieviele Höhenmeter und Kilometer fährst du denn so mit deinem Bike im Jahr?

Sepp: In den letzten 10 Jahren bin ich immer so zwischen 80.000 und 120.000 Hm und 5000 bis 7000 Km gelegen. Alles auf den Mountainbike.
Bloxwerk.de: Den Mountainbike-Trend gibt es ja jetzt auch schon einige Jahre. Seit wann fährst du mit dem Bike in die Berge? Und wie bist du zum Mountainbiken gekommen?
Sepp: Angefangen hab ich 1995 mit dem Biken. 1997 hab ich schon die erste Alpenüberquerung gemacht. Entstanden ist das Ganze beim Surfen, als Überbrückung der Windlosen Zeit, am Gardasee. Um nicht nur faul rum zu liegen und einen Capo nach den anderen zu schlürfen, haben wir irgendwann die Zeit genutzt um in die Berge zu fahren. Nach zwei Jahren war das Surfen Geschichte und es wurde nur noch gebiked.
Bloxwerk.de: Wieviele Alpenüberquerungen hast du schon gemacht? Und was waren dabei deine schönsten Erlebnisse?
Sepp: Inzwischen hab ich 25 Alpenüberquerungen hinter mir. Jede Tour ist so mit Highlights gespickt das es schwer fällt von einem besonders Erlebnis zu sprechen. Toll ist die Kameradschaft, ich habe so gut wie nie Streitereien erlebt. Alle ziehen an einem Strang. Jeden Tag den inneren Schweinehund zu besiegen, gibt unendliche Kraft, auch für spätere Aufgaben. Die sensationellen Ausblicke in den Bergen, das Adrenalin bei einem Downhill. Eine Woche voll verausgaben und trotzdem so erholt sein als hätte man einen Wellness-Urlaub hinter sich. Das alles macht einen Alpencross aus. Und Mountainbiken verbindet alle Generationen. Ich hab in einer Tour schon 15-jährige und 70 jährige gleichzeitig dabei gehabt.
Bloxwerk.de: Du bist ja auch als Tourguide bei „Fahrtwind“ für Peter Brodschelm sehr aktiv. Was sind die Vorteile für die Teilnehmer einer solchen geführten Transalp?
Sepp: Du musst dir keine Gedanken über die Planung, die Streckenführung, das Wegfinden und den Übernachtungen machen. Du kannst allein mitreisen und viele gleichgesinnte Freunde finden. Manche begleiten mich schon seit Jahren auf immer neuen Fahrtwind-Touren durch die Alpen. Bei vielen Touren gibt es zusätzlich einen Begleitbus. So kann man die Etappen mit dem kleinem Rucksack fahren. Das macht es viel angenehmer.
Bloxwerk.de: Was gehört alles in den Rucksack, wenn man sich zu dem Abenteuer „Transalp“ auf den Sattel schwingt? Und vor allem, wie plant man so eine Tour am besten?

Sepp: Als Gewichts-Obergrenze sollte man 7 Kg ansetzen. Das ist bei den heutigen Bekleidungsteilen und Werkzeugteilen kein Kunststück mehr.
2 Kurzarm Trikots und 1 Langarm Trikot, 2 Funktionsshirts, 2 Bikehosen, 3 paar Socken, 3 Unterhosen, Regenjacke und Hose, lange und kurze Bike-Handschuhe, Helm und Bikeschuhe, Brille, Handy, Zahnpasta, Duschgel, Schampoo (alles in kleinen Packungen ), Zahnbürste, kleines Handtuch, Digicam. Für den Abend evtl. ein normales T-Shirt und eine Trekkinghose. Wer nicht am Abend mit den Bikeschuhen gehen will kann sich leichte Flip-Flops einstecken.
Das Werkzeug am besten auf alle Fahrer aufteilen. Was jeder dabei haben sollte ist: einen Satz von den Bremsbelegen die für seine Bremse passen, zwei Schläuche, eine Pumpe, Flickzeug, Montageheber. Verteilt auf die Gruppe sollte mehrmals dabei sein: Kettennieter, Kettenschlösser, Dämpferpumpe, Schaltseil, Multitool, Kabelbinder und Felgenband (kann man auch oft für was anderes brauchen) Ersatzspeiche, Zentrierschlüssel, Kettenöl, Klappmesser, Erste Hilfe Set, Landkarten (1 Satz).
Nur wer auch Erfahrung hat, sollte gleich mal eine eigene Tour planen. Mittlerweile kann sich zwar jeder GPS Daten herunter laden. Sich allein auf diese Daten zu verlassen, kann in einer Katastrophe enden. Akku aus, kein Empfang, GPS Track enthält Fehlinfos. Und schon hat man ein Problem. Eine Karte im Maßstab 1 : 50.000 muss immer dabei sein, und mit dem Kartenlesen sollte man sich auch schon vorher vertraut machen.
Bloxwerk.de: Wie sollte die sportliche Vorbereitung auf solche eine Alpenüberquerung aussehen? Wie schafft man als Neuling diese „Reise über die Alpen“?

Sepp: Das Training sollte schon im Winter beginnen. Vielleicht mit Spinning in einem Fitness-Studio. Laufen oder Ski-Tourengehen ist ebenfalls sinnvoll. Wenn man eine Tour mit ca. 12.000 Höhenmeter in 7 Tagen als Maßstab nimmt, sollte man zu Beginn des Jahre mindestens zwei mal die Woche mit dem Bike unterwegs sein. Eine gute Mischung aus Kilometer und Höhenmeter am Anfang bringt das Meiste. Zwei Monate vor der Tour sollte man die Schlagzahl dann erhöhen. An den Wochenenden schon mal Tages-Etappen mit 1000 – 1500 Höhenmeter fahren. In diesem Bereich werden sich die meisten Tourtage bei so einer Alpenüberquerung befinden. Wer Zeit hat, sollte auch mal direkt zwei Tage unterwegs sein, um schon mal das Feeling zu bekommen, wie es ist mehrere Tage so lange im Sattel zu sitzen.
Und ganz wichtig, packt euren Rucksack schon beim trainieren so voll wie er bei der Tour auch ist. Viele erleben am ersten Tag der Alpenüberquerung den "Rucksack-Schock", weil sie zuhause immer mit Leichtgepäck unterwegs waren. Als Neuling hängt man sich am Besten an jemanden ran der schon mal einen Alpencross gemacht hat. Oder man wählt den Weg einer organisierten Tour wie wir sie bei "Fahrtwind" anbieten.
Bloxwerk.de: Welche Etappe ist dir als besonders hart und anstrengend in Erinnerung geblieben? Und welches war der genialste Downhill, der dir in Erinnerung ist?
Sepp: Etappen mit Trage- und schiebepassagen sind immer hart. Hier bleibt mir das Eisjöchl in Erinnerung. Oben ist man fast auf dreitausend Metern, hier fällt das Biken auch schwer, wenn der Weg gut ist. Der Anstieg zum legendären Pfunderer Joch darf hier auch nicht fehlen. Bei beiden Anstiegen wird der Biker auf der anderen Seite mit sensationellen Downhills belohnt. Der Trail vom Pfunderer Joch gehört noch immer zum Feinsten.
Wer eine 2 ½ stündige schiebepassage nicht scheut, bekommt mittlerweile auch vom Krimmler Tauern eine wahnsinns Abfahrt.
Bloxwerk.de: Welche Tipps hast du als Profi für einen Anfänger, damit er möglichst ohne große Schwierigkeiten ans Ziel seiner Transalp kommt?
Sepp: Jeder sollte sich Ziele setzen, die er auch erreichen kann. Nach zwei Monaten einen Marathon zu fahren zu wollen, ist einfach ein Schmarrn. Kleine Schritte machen mehrfach Freude und führen auf alle Fälle zum Ziel. Keiner sollte sich auch von besseren Fahrern hetzen lassen. Wenn es vernünftige Fahrer oder Freunde sind, passen sie sich an dein Tempo an. Schnell fahren können sie dann wieder wenn sie allein unterwegs sind.
Bloxwerk.de: Welches Bike mit welchen Komponenten fährst du aktuell? Und was zeichnet ein „Transalp-taugliches“ Mountainbike aus?

Sepp: Ich fahre in diesem Jahr, wie auch schon seit 10 Jahren, ein Specialized Bike. In diesem Jahr den neuen Stumpjumper Pro. In den letzten Jahren hab ich immer wieder gewechselt zwischen Epic und Stumpjumper. Specialized bringt vor allen im Dämpfer-Bereich immer wieder Innovationen, die mir als Biker behagen; Thema Brain Technologie.
Für eine Alpenüberquerung ist eine Federgabel das Mindeste. Ein Fully ist meiner Meinung nach optimal. Doch das ist und bleibt jedermanns Einstellungssache. Ein Fully bring bei den Abfahrten einfach mehr Sicherheit und Spaß. Wenn die Dämpfer feststellbar sind hat man auch bergauf keine Benachteiligung.
Das Gewicht des Bikes sollte man nicht als den großen Maßstab ansetzen. 5 Kg weniger am Körper sind billiger als 1 Kg am Bike und gesünder auch. Ein gutes Bike der Neuzeit wird sich irgendwo zwischen 11 und 13,5 kg bewegen, je nach Ausstattung und ob Fully oder nicht. Ein Bike über 15 Kg finde ich schon grenzwertig. Und ein Bike unter 10 Kg macht nur Sinn wenn der Fahrer auch ein Leichtgewicht ist.
Scheibenbremsen sind mittlerweile mehr als nur empfehlenswert. Der Unterschied zu Felgenbremsen ist, vor allen bei nasser Piste, beeindruckend.
Bloxwerk.de: Worin besteht die Faszination einer solchen Alpenüberquerung, und warum sollte man so etwas mal als Mountainbiker gemacht haben?
Sepp: Eine Alpenüberquerung ist Herausforderung und gewaltige Natur in einem. Der Mensch liebt die Herausforderung und in den letzten Jahren ist der Drang zur Natur enorm angestiegen. Eine Alpenüberquerung ist wohl eines der letzen großen Abenteuer in Europa, das man sich erfüllen und auch leisten kann.
Ob jeder Biker eine Alpenüberquerung gemacht haben sollte, will ich so pauschal nicht sagen. Mancher fährt lieber nur Tagestouren. Hauptsache er hat Spaß dabei.
Bloxwerk.de: Wenn man sich für eine geführte Transalp entscheidet, woran erkennt man einen guten Anbieter solcher Touren?

Sepp: Die Gruppengröße sollte 10-12 Personen nicht übersteigen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwer es dann wird, für alle Fahrer genügend Sicherheit zu bieten. Wer mit nur einem Guide und 20 Teilnehmern unterwegs ist, hat es nur auf Umsatz abgesehen und nicht auf Qualität.
Bei Veranstaltern die schon länger auf dem Markt sind, darf man davon ausgehen das sie ihre Kindheitsfehler ausgemerzt haben und eine perfekten Touren-Ablauf anbieten.
In den Internet Foren kann sich jeder über Veranstalter und deren Bewertungen informieren. Ähnlich wie bei Hotels. Mann muss nicht alles Ernst nehmen, wenn es aber nur schlechte Bewertungen gibt, dann Hände weg. Auch in den Bike-Magazinen sind jedes Jahr die bekanntesten Veranstalter aufgelistet und bewertet.
Bloxwerk.de: Vielen Dank, Sepp, für das interessante Gespräch! Da waren wirklich viele interessante Fakten, Tipps und Erfahrungen dabei, die sicher so manchem Mountainbiker mehr Lust auf so ein Abenteuer gemacht haben! Wir wünschen dir alles Gute und viel Glück auf deinen zukünftigen Touren!
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