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bloxwerk.de Seit wann gehst du schon Skitouren, und auf wie viele Höhenmeter kommst du in etwa pro Saison? Wieviele Skitouren sind das pro Jahr?
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| Einsame Winterlandschaft in den Bayerischen Voralpen Foto: Markus Stadler |
Markus Vor fast 20 Jahren bin ich über die Jungmannschaft der Sektion Rosenheim vom Deutschen Alpenverein zum Skitourengehen gekommen. Seither unternehme ich pro Jahr an etwa 50 bis 70 Tagen Skitouren im gesamten Alpenraum. Da ein durchschnittlicher Tourentag so etwa 1200 Höhenmeter Aufstieg bedeutet, müssten es in der Saison ca. 70.000 Höhenmeter sein. So richtig zusammengerechnet hab ich das aber bisher noch nicht.
bloxwerk.de Du hast ja schon die ein oder andere Skitour hinter dir. Welche Touren sind dir dabei durch besonders tolle Erlebnisse oder Eindrücke in Erinnerung geblieben?
Markus Die bleibendsten Erinnerungen hinterlassen meistens die längeren Skitourenurlaube und Skidurchquerungen. Hierbei einzelne hervorzuheben fällt schwer, da bestimmt ein ganzes Dutzend davon außergewöhnlich schöne Erlebnisse beinhaltet. So war zum Beispiel unsere Durchquerung der Dauphine in Frankreich die Skitour mit der beeindruckendsten Landschaft. Oder bei einer Skidurchquerung der Urner Alpen hatten wir eine komplette Woche fast ausschließlich unverspurten Pulverschnee. Etwas ganz Besonderes waren auch 10 Skitourentage im Kaukasus, wo wir die großartige Gastfreundschaft der Georgier genießen durften und absolut geniale Skitouren unternehmen konnten. Einen Teil der Touren mit den dazu gehörenden Bildern finden Interessierte auch auf meiner Homepage unter www.stadler-markus.de
bloxwerk.de Wie stehst du zum Thema Sicherheit bei Skitouren? Warst du selbst schon mal in einer brenzligen Situationen?
Markus Natürlich ist auch mir die Sicherheit auf einer Skitour sehr wichtig, schließlich möchte ich noch viele Touren unternehmen können.
Es macht aber einen Unterschied, ob ich mit einer Gruppe unterwegs bin, für die ich Verantwortung trage, oder ob ich privat mit Gleichgesinnten unterwegs bin. Bei geführten Touren wird der Sicherheit in der Regel alles untergeordnet, solange nicht alle Teilnehmer die Folgen einer Entscheidung überblicken können. Bei privaten Touren kann es schon mal vorkommen, dass man etwas mehr riskiert, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Das soll aber nicht heissen, dass ich ein Draufgänger bin - im Gegenteil. Nicht nur einmal bin ich umgedreht, wo andere Tourengeher dann trotzdem weitergingen (und natürlich nix passiert ist). Aber wer 60 Skitouren im Jahr macht, der sollte einen Hang meiden der mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:10 als lawine abgeht, sonst wird er nicht alt.
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| Pulverschnee am Großglockner Foto: Markus Stadler |
Die brenzligsten Situationen haben beim Bergsteigen im Schnee und Eis meistens mit lawinen zu tun, selbst wurde ich aber zum Glück noch nie von einer lawine komplett verschüttet. Während einer Hochtour im Sommer an einem 6000er in Nepal wurde ich einmal ein Stück weit mitgerissen, aber nur bis zur Hüfte zugeschüttet. Da hätten wir nicht mal ein Verschütteten-Suchgerät dabei gehabt, was auf Skitouren Standard ist. Bei anderen lawinenabgängen, die wir teilweise selbst ausgelöst hatten sind wir knapp davongekommen. Einige davon waren noch in unserer stürmischen Jugendzeit, wo wir uns noch weniger Gedanken gemacht hatten. Aber auch den ein oder anderen blöden Fehler hab ich mir danach mal geleistet, der auch schlecht hätte ausgehen können.
Trotzdem halte ich nix davon selbst nur noch auf 1000%ig sicheren Touren unterwegs zu sein, da mir dann das Erlebnis der unberührten Winterlandschaft und das Abenteuer fehlen würde. Wenn ich wollte, könnte ich problemlos 50 Skitouren pro Winter gehen, auf denen das lawinenrisiko gleich null ist, dort herrscht heutzutage aber ein Andrang wie auf einer beliebten Skipiste - und das ist nicht das was mir gefällt. Ausserdem kann man nur dazulernen, wenn man auch gelegentlich in Grenzbereiche vorstößt.
bloxwerk.de Wie sieht eine gute Ausrüstung für jeden Skitouren-Gänger aus?
Markus Die modernen Tourenski ähneln den Freeride-Ski, die fürs Variantenfahren verwendet werden. Eine breite Schaufel sorgt für Auftrieb im Tiefschnee, eine Taillierung für die entsprechende Wendigkeit. Dazu sollte ein Tourenski aber möglichst leicht sein, die meiste Zeit ist man ja damit im Aufstieg unterwegs und muss ihn aus eigener Kraft auf den Berg bringen. Eine Tourenbindung muss sowohl für den Aufstieg als auch für die Abfahrt tauglich sein und der entsprechende Skischuh ebenfalls. Steigfelle werden fürs Aufsteigen unter den Ski geklebt, sie gleiten in der Vorwärtsbewegung, verhindern aber das Zurückrutschen. Wichtig ist die Sicherheitsausrüstung mit lawinenverschütteten-Suchgerät, Schaufel und Sonde, die im Falle einer lawinenverschüttung die Bergung durch die Kameraden ermöglichen soll. Denn nur dadurch besteht die Chance schnell genug ausgegraben zu werden - die Bergwacht kommt dafür in der Regel zu spät.
bloxwerk.de Welches Tourenskimodell fährst du eigentlich aktuell, und warum?
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| Steiler Aufstieg im Wilden Kaiser Foto: Markus Stadler |
Markus Ich verwende einen Fischer X-tralite. Das ist ein relativ schmaler und leichter Tourenski, der sowohl gute Aufstiegseigenschaften, als auch ordentliche Abfahrtseigenschaften aufweist. Ich möchte in erster Linie mit Ski schöne Berge besteigen und möglichst problemlos im Gelände unterwegs sein. Von daher bin ich kein Fan von klobigem und schwerem Material, das zwar in der kurzen Zeit der Abfahrt ideal ist, aber im Aufstieg nur behindert.
bloxwerk.de Welche Vorteile hat man als Skitouren-Freak als Mitglied beim DAV?
Markus Der DAV ist ja ein Zusammenschluss von mehr als 300 Sektionen und man kann nicht beim DAV an sich Mitglied werden, sondern nur bei einer seiner Sektionen. Die entsprechenden Vorteile, die man hat unterscheiden sich aber teilweise von Sektion zu Sektion, da nur ein Teil der Leistungen vereinheitlicht ist. Was sich bei allen Sektionen gleich darstellt ist die Möglichkeit vergünstigte Übernachtungspreise auf den Alpenvereinshütten zu erhalten. Diese liegen in der Regel etwa bei er Hälfte des Normalpreises. Wer also ca. 5 mal im Jahr auf einer Alpenvereinshütte übernachtet, hat den Mitgliedsbeitrag schon wieder zurück. Ein weiterer Punkt ist die Versicherung. Über die Bergungskostenversicherung des DAV werden z. B. Hubschrauber- und Bergwachteinsätze bezahlt, sollte das Mitglied aus einer alpinen Notsituation gerettet werden müssen. Recht unterschiedlich sind hingegen die Leistungen der einzelnen Sektionen bezüglich Ausbildung und angebotenen Skitouren. Es gibt Sektionen mit einem sehr umfangreichen Programm an Skitouren- und lawinenkursen, Schnupperskitouren und geführten Skitouren vom einfachen Hausberg in den Voralpen bis zur einwöchigen Westalpenskitour auf die Viertausender. Ein Beispiel dafür ist die Sektion Rosenheim (www.dav-rosenheim.de), wo neben mir noch etwa 20 andere Fachübungsleiter Kurse und Skitouren anbieten.
bloxwerk.de Was für Tipps hast Du für einen Skitouren-Neuling, der seine erste Tour machen möchte?
| Traumabfahrt in den Stubaier Alpen Foto: Markus Stadler |
Markus Er sollte sich am besten in die Obhut eines erfahrenen Tourengehers begeben. Wer in seinem Freundeskreis niemanden hat, auf den das zutrifft, macht am besten seine ersten Skitouren im Rahmen von Alpenvereinstouren. Alternativ kann er natürlich auch gleich mit einem Skitourenkurs beginnen, dort lernt er neben den Grundlagen für Aufstieg und Abfahrt auch die ersten Basics zur lawinenkunde und hat dann das Handwerkszeug, um sich aus Skitourenführern Ziele herauszusuchen, die für ihn geegnet sind.
bloxwerk.de Wo informierst du dich über die aktuellen Schneeverhältnisse?
Markus Das Wichtigste sind die lawinenlageberichte. Jede Region in den Alpen verfaßt nahezu täglich einen lawinenlagebericht mit wertvollen Informationen zur Schneedecke und zur lawinengefahr. Zusammen mit dem Wetterbericht und meiner Praxiserfahrung kann ich meistens schon recht gut einschätzen, was mich am selben oder am nächsten Tag draußen erwartet. Vor allem im Frühwinter, nach den ersten Schneefällen sind die Lageberichte noch nicht so regelmäßig verfügbar, dann klick ich mich auch oft durch die Webcams der entsprechenden Region. Ganz wichtig sind für mich aber auch persönliche Berichte von anderen Tourengehern. Ich habe viele Freunde, die ähnlich viel unterwegs sind wie ich und die ich dann mit Fragen löchere. Gelegentlich schaue ich auch in diversen Internetforen nach Hinweisen zur Schneelage, wobei es bei unbekannten Informanten schwieriger ist die immer enthaltene subjektive Komponente herauszufiltern. Es gibt Spezialisten, bei denen es immer optimale Verhältnisse hat, selbst wenn sie dabei ihre Ski geschrottet haben.
bloxwerk.de Du bist neben deiner Homepage insbesondere durch deine zahlreichen Bücher bei den Insidern bekannt. Gibt es da welche, die du Skitourengehern besonders empfehlen kannst?
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| Skitouren in der Bernina-Gruppe Foto: Markus Stadler |
Markus Für Skitourengeher sind in erster Linie meine Skitourenführer interessant. Zwei Bände sind dazu von mir auf dem Markt - Skitouren Bayerische Alpen, zwischen Tegernsee und Berchtesgaden und Skitouren Kitzbüheler Alpen. Beide Führer sind im Panico-Verlag erschienen und wenden sich an eigenverantwortliche Tourengeher jeder Leistungsklasse. Ein - wie ich finde und wie mir oft bestätigt wird - sehr schönes Buch, das allerdings in der Flut der vielen Bildbände etwas zu wenig Beachtung findet, ist der Bildband "Kaisergebirge" den ich zusammen mit den beiden Alpinjournalisten Andrea und Andreas Strauß im Rother-Bergverlag veröffentlicht habe. Es ist das perfekte Geschenk für alle Bergliebhaber die sowohl eindrucksvolle Fotos als auch informative Texte schätzen.
bloxwerk.de Worin besteht die Faszination und der besondere Reiz am Skitouren-Gehen?
Markus Sie liegt in der Kombination aus den vielen Anforderungen (Kondition, Skitechnik, lawinenkundliches Wissen, Orientierung) und den vielen unterschiedlichen Erlebnissen (einsame Winterlandschaft, rasante Tiefschneeabfahrten, exteme Wettererscheinungen, Gruppenerlebnis...). Anders als im Sommer ist jede Skitour, selbst am gleichen Berg, immer verschieden. Alleine schon die Schneelage ist nie die gleiche, auch die Spur wird immer irgendwie anders verlaufen. Auch schlechtes Wetter im Winter ist weit weniger unangenehm als im Sommer. Im dichten Schneefall durch tief verschneiten Wald zu spazieren ist um ein vielfaches genialer als im Sommer beim Schnürlregen unterwegs zu sein. Und schließlich wird der bei Bergwanderungen eher nervige Abstieg durch eine im besten Fall staubende Pulverabfahrt ersetzt.
bloxwerk.de Vielen Dank, Markus, für die interessanten Informationen, durch welche man sich sicher einen tollen Eindruck vom Skitouren-Gehen bekommt. Wir wünschen dir weiterhin viel Spaß beim Sport und alles Gute!
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