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17.10.2010 15:34:17Druckansicht

Die Welt des Skifahrens

Skifahren ist der Wintersport No. 1
Skifahren, der klassische Wintersport
Diesmal haben wir ein Interview mit Michi Obermeier geführt. Michi Obermeier ist ein etwas anderer Skifahrer. Nach seiner Rennsportkarriere, die er verletzungsbedingt beenden musste, startete er seine Laufbahn zum Staatlich geprüften Skilehrer. Bereits mit 20 Jahren hatte er diese Berufsausbildung somit frühst möglich beendet. Auf Grund seiner Leistungen wurde er direkt in das Ausbilderteam der Berufsskilehrer berufen und wurde somit der jüngste Skilehrerausbilder seit langer langer Zeit. Wir unterhalten uns heute mit Michi über die sehr umfangreichen Hintergründe des Skisports, in die vielen von uns oft nur einen kleinen Einblick erhalten.

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bloxwerk.de: Hallo Michi, es freut uns sehr, dass wir uns heute mir dir über einiges rund um das Skifahren unterhalten können. Zum Anfang hin würde uns mal interessieren, was du eigentlich alles im Winter machst, also wollen wir wissen, ob wir das glauben können was du sagst. Spaß beiseite was ist dein Job im Winter?

Skifahren ist der Wintersport No. 1
Skifahren, der klassische Wintersport

Michi: „Grias eich, miteinander“, auch mich freut es sehr, dass ich die Möglichkeit bekommen habe mit euch über den Sport zu reden der mich am meisten fasziniert, nämlich der Skisport in all seinen Variationen. Im Wesentlichen habe ich im Winter 3 Arbeitsplätze: Zum einen leite ich stellvertretend eine sehr große Skischule. Wir sprechen dabei von mindestens 200 Skilehrern. Mein zweites Standbein ist das Ausbilderteam des deutschen Skilehrerverbandes(DSLV). Dort bilde ich mit meinen Kollegen Skilehrer von der Grundstufe bis hin zum staatlich geprüften Skilehrer aus. Des Weiteren bin ich in einem Kompetenzteam zur Sicherheit auf Skipisten. Hier gibt es eine Kooperation von ADAC und DSLV, die sich mit Skipistentests dieser Thematik versucht anzunähern.

Das Jahr 2010 ist für Skisportler etwas Besonderes, da die alpine Ski WM ja in Garmisch Partenkirchen stattfindet. Dort leite ich ein kleines Team, dessen Aufgabe das Strecken-Marketing sein wird.

bloxwerk.de: Wow, das hört sich nach einer Menge Arbeit an, machst du das Hauptberuflich?

Michi: Nein mache ich nicht. Ich studiere in Innsbruck Wirtschaftswissenschaften- Management and Economics. Ob ich einmal in die Autoindustrie (Kindertraum) oder hauptberuflich Skifahren (irgendwie auch immer ein Traumjob) werde, kann ich euch noch nicht sagen. Fakt ist aber, dass viele meiner Kollegen diese Jobs (und auch in ähnlichen Kombinationen) hauptberuflich ausüben.

bloxwerk.de: Kann man denn „nur“ vom Skifahren leben? Das geht ja nur drei oder 4 Monate im Jahr, reicht das finanziell aus?

Michi: In Frankreich oder Italien würde hier ein „ja und zwar leicht reicht es“ kommen, da ein staatlich geprüfter Skilehrer in diesen Ländern eine extrem hohe Stellung hat. In Deutschland ist das leider nicht so. Ein professioneller Skischulleiter hat in den Wintermonaten sicherlich ein gutes Einkommen. Meist sind wir Skilehrer aber auch nicht die Typen von Mensch, die dann ein halbes Jahr nichts tun wollen. Daher haben fast alle meiner Kollegen im Sommer eine Golf-, Segel-, Gleitschrim- oder andere Sommersportart-Schule.

bloxwerk.de: Wenn dieser staatlich geprüfte Skilehrer in anderen Ländern so viel Wert ist, erklär uns doch einmal bitte was es damit auf sich hat. Wie lange dauert diese Ausbildung? Wer kann Sie machen? Was kostet Sie und wo kann man Sie machen?

Michi: Der staatlich geprüfte Skilehrer ist die einzige Skilehrer Berufsausbildung. Nur mit dieser Ausbildung ist man berechtigt eine professionelle Skischule (im Gegensatz dazu gibt es die Vereinsskischulen, die den Breitensport abdecken und unter der Herrschaft des bekannteren DSV -deutscher Ski Verband - stehen) zu eröffnen oder zu leiten. Es ist somit eine Fachsportlehrerausbildung.

Lehrbeauftragter ist hierfür die Technische Universität München. Diese gibt einen Teil des Lehrauftrages (Praxis) an den DSLV weiter. Die Ausbildung dauert mindestens 2 Jahre. Da die Anforderungen sehr hoch sind, schaffen die wenigsten Bewerber die Prüfungen beim ersten Versuch, so dass man sicher eine durchschnittliche Ausbildungsdauer von geschätzt 4 Jahren hat. Je nach Zeit wird die Ausbildung auch teurer. So dass man mit Minimum 5000 Euro rechnen sollte. Machen kann diese Ausbildung eigentlich jeder, der die Zulassungsprüfung (Eignungstest) besteht. Hier wollen wir einfach vermeiden, dass Leute viel Geld investieren ohne eine Aussicht auf Erfolg.

bloxwerk.de: Ja, ich denke jetzt verstehe ich besser, warum man auf diese Ausbildung wirklich stolz sein kann. Nun würden uns ein paar Ausrüstungstipps für das Skifahren interessieren. Was gehört zu einer ordentlichen Skiausrüstung?

Michi: Fangen wir vielleicht von oben her an. Durch die Carvingtechnik und die damit verbundenen hohen Geschwindigkeiten würde ich jedem empfehlen einen Skihelm zu tragen. Bei Kindern ist das in verschiedenen Ländern (z.B. Italien) sogar Pflicht. Dabei ist natürlich die Passform wichtig, den Helm ruhig im Geschäft einmal 20-30 Minuten aufbehalten. Was oft vergessen wird ist das Design. Nur einen Helm, der mir auch gefällt werde ich konsequent tragen. Einen Helm braucht man im Übrigen nicht nur wenn man selber einen Fehler macht. Die schlimmsten Unfälle passieren leider bei Kollisionen.

Weiter sollte man eine Skibekleidung haben, die schichtenweise aufgebaut ist, so dass man je nach Temperatur eine Innenjacke weglassen oder dazu nehmen darf. Es gibt hier ein rieses Angebot. Farblich würd ich persönlich niemals eine weiße Skibekleidung wählen, da ich finde es sehr vorteilhaft finde, wenn man auf der Skipiste gut gesehen wird.

Einen Rückenprotektor sehe ich bei Kindern als Pflicht, bei Erwachsenen hingegen würde ich es sinnvoller finden, wenn man etwas vorsichtiger fährt. So ganz bequem ist aber auch so ein Rückenprotektor gerade bei warmen Temperaturen nicht.

Unter der Skibekleidung empfiehlt sich eine atmungsaktive Unterwäsche. Hier sparen viele Wintersportler an der falschen Stelle. Gerade bei kalten Außentemperaturen sollte man für einen guten Schweißtransport weg vom Körper sorgen.

Bei den Skischuhen wird es schon einiges komplizierter. Wichtig ist den Skischuh auf seinen individuellen Bedarf abzustimmen: Mache ich mehr den Einkehrschwung ist der Komfort des Skischuhes im Vordergrund. Schuhheizung und Pelzfütterung sind hier fast ein Muss. Je mehr und intensiver ich aber Skifahren möchte, desto mehr sollte ich beim Skischuh auf einige Dinge achten. Natürlich darf der Schuh nie drücken, dennoch sollte er nicht zu weich sein. Eventuelle Druckstellen kann man sich auch für wenig Geld anpassen lassen. Dieses Thema ist bereits so komplex, dass ich eine Diplomarbeit verfassen könnte. Daher empfehle ich jedem seinen Schuh nicht im großen Sporthandel zu kaufen, sondern zu den kleineren Händlern zu gehen.

Ja nun das viel diskutierte Thema der Ski. Entgegen vieler Meinungen sollte der Ski nicht unter das Kinn reichen, aber auch nicht mehr wie Körpergröße. Veto sagen die Tiefschneefahrer und Freerider zu Recht. Je schneller man fährt desto länger sollte der Ski sein. Und auch abseits benötigt man etwas Länge für die Laufruhe. Aber auf der Piste gilt sicher meine Faustregel. Kommen wir nun zum Skityp. Es gibt Rennski, Racecarver, Slalomski, Allround Ski, Allmountain Ski, Freestyle Ski und und und… Hier kann sich jeder Skifahrer nur genau überlegen, was er wirklich macht. Kein Ski ist auch nur ein guter Kompromiss für alle Bereiche. Man findet vielleicht für 2 oder 3 Anwendungsgebiete eine Lösung für mehr aber nicht. Also genau überlegen, was ihr wirklich von dem Ski wollt. Glaubt mir, es liegen Welten zwischen den verschiedenen Skmodellen.

bloxwerk.de: Nun würde mich doch noch die Skitechnik interessieren. Alle reden vom :Carven und ich habe immer häufiger das Gefühl, viele wissen eigentlich gar nicht worum es dabei geht?

Michi: Ja ich auch. Nein Spaß beiseite, ich gebe gern ein paar Tipps. Nun im eigentlichen Sinn kommt das Carven (auch wenn es uns so gar nicht gefällt) vom Snowboarden. Jeder erinnert sich an die so genannten Raceboarder, die nur auf der Kante eine tiefe Rille in den Schnee geschnitten haben. Das ist Carven in Perfektion. Beim Skifahren ist es deutlich schwieriger, da wir zwei separate Sportgeräte parallel steuern müssen.

Ziel ist es also den Ski nicht mehr auf einem flachen Ski, also auf dem Belag, zu drehen, sondern die Ski so zu kippen, dass die Kante in den Schnee schneidet. Durch die Taillierung (Breitenunterschied zwischen Schaufel-Bingungsbereich-Ende) fährt der Ski einen Radius. Dieser hängt von vielen Dingen ab, zu Beispiel wie stark die Taillierung ist. Viel mehr kann man aber über den richtigen Druck und die richtige Belastung am Ski steuern. Als Grundvoraussetzung ist hierbei eine zentrale Position über dem Ski zu sehen. Nur wer seinen eigenen Schwerpunkt über der Skimitte hat, kann sein Gerät beherrschen. Aus diesem Grund ist es für wirklich jeden sinnvoll und absolut kurzweilig einen Carving Skikurs zu belegen. Immer wieder habe ich auch ältere Kunden die von den auftretenden Kräften beeindruckt sind. Dabei kommt es gar nicht auf die Geschwindigkeit an, aber das kann man jemanden einfach nur in der Praxis zeigen.

Sportoholix.de: Abschließend hätte ich noch eine Frage: Was würdest du jedem Skifahrer auf den weg geben?

Michi: Hier fallen mir sofort drei Dinge ein:

1. Wenn ihr auf der Piste seid, denkt daran es sind andere auch hier. Kinder, oder körperliche Schwächere sind machtlos, wenn ihr eure Ski nicht unter Kontrolle habt und eine Kollision geschieht. Wie ich bereits gesagt habe, erlebt man die besten Fliehkräfte nicht zwingend nur durch eine Steigerung der Geschwindigkeit.

2. Skilehrer werden oft belächelt, also Studenten die Ihr Geld verdienen müssen. Man denkt leicht, ach was der kann, kann ich meinem Kind auch selber lernen. Dies ist meiner Meinung nach ein sehr, sehr großer Fehler. Die Skilehrerausbildung hat sich mit der neuen Skitechnik (und wir sprechen hier von einer grundlegenden Veränderung) sehr verändert. Vor allem ist sie sehr anspruchsvoll geworden. Skifahren, Methodik und Didaktik werden gewissenhaft ausgebildet, gleichgültig wo man die Ausbildung abgelegt hat. Ich sage das nicht um Kunden zu gewinnen (derzeit haben wir jedes Jahr nahezu 100% Auslastung in unserer Skischule), sondern weil es mir jedes Mal wieder weh tut, wenn ich sehe, wie der mütterliche oder väterliche Skiunterricht schlicht und ergreifend zum Verdruss der Kinder führt.

3. Seht Skifahren als das was es ist, als Leistungssport, als Breitensport, als Beruf, als geliebtes Hobby oder einfach als Gaudi, weil es so vielfältig sein kann.

bloxwerk.de: Michi wir möchten uns bei dir für das Gespräch bedanken und wünschen dir allzeit eine unfallfreie und schneereiche Saison.

Michi: Herzlichen Dank und „Ski Heil“

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